Totgesagte leben länger.

Über die aktuelle Situation und die Zukunft der Grenzlandjugend.

Eigentlich ist es ja sehr schön auf dem Land zu wohnen. Ruhe und Frieden und ringsherum die schöne Natur. So könnte es zumindest sein, wäre da nicht der „Dorf Tratsch und Klatsch“. Das „Stille Post“-Spiel für Erwachsene: Jeder hat etwas gehört, jeder erzählt etwas weiter und jeder dichtet noch etwas hinzu. Heraus kommt in kurzer Zeit eine unglaublich trübe Suppe aus der Gerüchteküche, die einmal erhitzt, gar nicht mehr zu kochen aufzuhören scheint, bis sie am Ende vielleicht überkocht. Was musste ich in den letzten Tagen nicht alles für einen Blödsinn aus diesem Hexentopf hören. Dass sich die Grenzlandjugend auflöst, war da wohl noch das Harmloseste. Dass wir pleite sind war auch dabei, und auch, dass wir unser Jugendheim verkaufen würden. Und das alles, weil der Vorstand den Verein in den Ruin getrieben hat. Eigentlich bewundernswert, wie viel Phantasie offenbar in den Köpfen mancher Gemeindemitglieder steckt. Würden sie mit dieser Phantasie nur etwas Sinnvolles anstellen, statt einen Verein und dessen Vorstand schlecht zu machen, der sich im fünfzigsten Jahr für die Kinder und Jugendliche nicht nur der Gemeinde Roetgen, sondern auch der umliegenden Gemeinden engagiert – und das nicht nur mit unzähligen ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden, sondern auch mit großem finanziellen Aufwand.

Tatsache ist: Ja, wir haben erhebliche Nachwuchsprobleme, aber welcher Verein hat die heute nicht? Die Gründe dafür sind vielfältig, die schulische Belastung, nicht nur durch G8, sind sicherlich einer davon. Geforderte Flexibilität was den Studienort angeht sicherlich ein anderer. Diese, und viele andere Faktoren, machen es eben schwierig – oder eigentlich unmöglich – eine größere Anzahl Jugendlicher langfristig für die ehrenamtliche Vereinsarbeit zu begeistern. Aber junger Nachwuchs ist gerade in unserem Verein sehr wichtig. Und wenn dieser Nachwuchs ausbleibt, wird die Zahl der Ehrenamtler zwangsläufig immer geringer, schließlich kann man auch Mitglieder verstehen, bei denen sich nach über 20 jährigem Engagement die Prioritäten zum Beispiel in Richtung Familie verschieben und sie deshalb aufhören. Aber so groß die Nachwuchsprobleme auch sind, bei der anstehenden Vorstandswahl im Februar können wir wieder einen geschäftsfähigen Vorstand besetzen, die Gerüchte um die Auflösung des Vereins sollten somit über dem Suppentopf verdunsten. Wer es allerdings immer noch nicht glaubt, kann in Kürze ja mal die Teilnehmer des Pfingstlagers 2016, des Herbstsegelns 2016 und der verschiedenen anderen Aktionen, die wir dieses Jahre durchführen, dazu befragen, wie lebendig und vital die Grenzlandjugend auch mit einer kleinen aktiven Truppe ist.

Ein weiteres Gerücht, das im Topf der Ahnungslosen vor sich hin köchelt, ist der Verkauf unseres Jugendheims. Hat vielleicht jemand Interesse es zu Kaufen? Ja? Ist natürlich nur ein Scherz. Und zwar ein ziemlicher dummer, schließlich gehört uns das Jugendheim gar nicht. Grund und Boden sowie Gebäude gehören der Städteregion Aachen, wir sind dort nur Mieter. Tatsache ist allerdings, dass wir in einer über zweijähriger Umbauphase mit mehr als 6.000 Arbeitsstunden in Eigenleistung aus einer alten Fabrikhalle ein sehr schickes Jugendheim mit vielfältigen Möglichkeiten geschaffen haben. Wer mehr darüber erfahren möchte, dem sei der Bericht unter dem Punkt „Jugendheim“ empfohlen.

Jeder Hausbesitzer weiß aber auch, dass es nicht nur viel Arbeit ist ein Haus zu bauen, auch die Unter- und Instandhaltung kosten viel Zeit und Mühen. Und da sind wir mit unserer inzwischen recht kleinen Truppe an einem Punkt angekommen, an dem wir ehrlich zugeben müssen, dass wir das nicht mehr schaffen. Wir sind aber eben so ehrlich dies zuzugeben, statt einfach den Kopf in den Sand zu stecken und das Gebäude langsam verfallen zu lassen.

Die fehlenden Ressourcen sind aber nicht Grund alleine, warum wir derzeit über die Zukunft des Jugendheims nachdenken. Wir finden nämlich auch, dass dieses tolle Gebäude mit seinen vielfältigen Möglichkeiten viel mehr genutzt werden müsste. Der große Saal mit seiner 100 m² ist viel zu oft leer, genauso wie die beiden Besprechungsräume. Und aus dem Bastel- und Werkraum würden wir auch viel lieber geschäftiges Treiben als die derzeitige Stille hören. Kurzum, die Räumlichkeiten bieten alle Möglichkeiten, werden inzwischen aber leider viel zu wenig genutzt.

Wir würden uns daher sehr freuen, wenn wir uns die Pflichten und die Möglichkeiten, die unser liebevoll umgebautes Jugendheim bieten, zukünftig mit einem oder mehreren Roetgener Vereinen teilen könnten.

Last but not least, warum dieser ganze Aufwand, wenn wir doch sowieso Pleite sind? Ganz einfach, weil auch dieses Gerücht genauso frei erfunden ist, wie all die anderen. Und im Gegensatz zu denen, die diesen Unfug verbreiten, muss ich es wissen, schließlich bin ich der Kassenwart des Vereins. Natürlich haben uns die Betriebskosten des Jugendheims – immerhin fast 8.000 Euro im Jahr – in den letzen Jahren schwer belastet, dafür können wir aber gut mit unseren finanziellen Mitteln umgehen. Und da wir seit kurzem von der Städteregion bei den Betriebskosten besser unterstützt werden, ist auch das Jugendheim finanziell kein so großes Sorgenkind mehr. Spenden sind natürlich genauso willkommen wie notwendig, unser Spendenkonto finden sie unten auf der Startseite unserer Homepage.

Zum Abschluss bleibt noch zu sagen, dass die Gerüchte um das Ende der Grenzlandjugend nicht neu sind. Damals, als unser Vereinsgründer Rektor Karl Loven gestorben ist, hieß es von den Skeptikern und Besserwissern auch schon einmal „Der Verein hat nicht mehr lange.“. Das ist jetzt fast 16 Jahre her. Totgesagte leben eben doch länger.

Frank Stockhausen, Vorstand (Finanzen)

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